„Female Refugees Warten auf Go.Dot“– ein dramatischer Emphatie-Raum

Aufführungen im Februar 2019 und Juni 2018 (Uraufführung) im
Acker Stadt Palast, Ackerstraße 169/170, Berlin-Mitte,

Konzept, Regie, Textfassung: Ulrike Düregger; Schauspiel: Gülcan Cerdik, Ulrike Düregger, Nadine da Cruz Oliveira; Bühne, Kostüm: Compagnie  Bühnen- und Kostümberatung: Silvia Albarella; Bewegungs-Coach: Marcelo Omine, Produktionsfotos: Philipp Jeske; Licht und Ton: Marcelo Schmittner, Presse: Kerstin Böttcher. Eine Produktion von Ulrike Düregger & Compagnie und Total Plural e.V. in Kooperation mit Terre des Femmes. Die Theaterproduktion ist eigeninitiativ und leider ohne Fördermittel zustande gekommen.

(english version below)

„Wenn Männer etwas tun, ist es politisch, wenn Frauen etwas tun, ist es privat“

Drei Frauen hängen in der Luft, in schwarz gehüllt. Gefangen in einem Kokon aus Zeit in der engen Küche irgendeiner Notunterkunft. Teller und Tassen hängen von der Luft. Wir sehen und beobachten sie in ihrem Loop: Koch- und Kleidungsrituale, Erinnerungsfetzen markiert in Monologen, abstoßende und anziehende Bewegungssequenzen, Kampf und Stress des Ankommens im neuen Land. Stetes Wassertropfen und Stimmen aus dem Flur des Heims fangen die Atmosphäre ein, rahmen als Soundcollage die fragmentarische Szenenfolge der Produktion.

Annäherung auf Augenhöhe und Diskursgerechtigkeit

In der öffentlichen Wahrnehmung und auch künstlerischen Auseinandersetzung von Geflüchteten spielen Frauen meistens keine Rolle. Oder aber sie werden schnell in die Position des „verschleierten und unterdrückten Opfers“ gedrängt. Das Projekt wagt eine Annäherung auf Augenhöhe und eine Diskursgerechtigkeit. Über einen Zeitraum von mehr als acht Monaten haben die drei Schauspielerinnen von Ulrike Düregger & Compagnie mit einer Gruppe von Frauen in einer Unterkunft gemeinsam Zeit verbracht. Es wurde erzählt, mit gelitten, gelacht und gehofft. Das Ziel war, für die Produktion „biografisch gesättigte Stimmen“ zu finden. Den Frauen wurde von Anfang an die Absicht des Theaterstücks erklärt. Die Stückentwicklung basiert auf den Notizen und Aufzeichnungen sowie Recherchen dieser Zeit und stellt die Frage in den Mittelpunkt: Wie erleben Frauen Flucht?

 Künstlerischer Prozess

Mit dem Einverständnis zur Dramatisierung persönlicher Fluchtgeschichten entstand  ein performativer Prozess aus genderspezifischem Blickwinkel mit dem Anspruch einer poetischen Ästketik. Dynamische Elemente des zeitgenössischen Sprechtheaters wurden mit choreografierten Körperbildern und einer Soundcollage verwoben. Die  Textfassung (Ulrike Düregger) eröffnet schnell den Zugang zu authentischen Erfahrungen, die die drei Protagonistinnen mal an entlegene Orte, ihre Herkunftsländer, mal ind das sinnentleerte Hier und Jetzt führen.

https://www.youtube.com/watch?v=UfgIKgK-gT4

http://www.ackerstadtpalast.de/
https://www.frauenrechte.de/online/index.php

„When men do something, it’s politics, when women do something, it’s private.“

Three women stuck in mid-air, covered in black. They are caught in a cocoon of the time in the tight kitchen of a refugee camp. We see and watch them in their daily loop: absurd rituals of cooking and clothing, painful fragments of memories, marked in monologues and physical sequences which describe the fight and the struggle of the arriving in a foreign country. Constant dropping of water and diverse noises are captured as the atmosphere  and frame the series of scenes  of FEMALE REFUGEES Waiting for Go.Dot in that collage of sound. In the public awareness and also in the artistic process of refugees in general women hardly play a role. Or they are easily forced into the position of the „covered and suppressed victim“.

Approach on eye level and justice in discussion

The theatre production dares an approach on eye level. For eight months the three actresses of Ulrike Düregger & Compagnie talked to different women in a refugee camp. The play-development is based on notes of these conversations with the so-called « Female New Berliners » and puts the question « How do women go through escape? » in the forefront. With the agreement of dramatization of these personal stories of escape a performing process with a gender-specific perspective comes into beeing and focuses on female refugees experiences and  perceptions.

The reflection of Becketts Waiting for Godot honours his recognition in the arabic speaking theatre world. The public talks after the performances, organised in collaboration with the organisation Terre des Femme, are an invitation to come into contact with each other, to share experiences and to develop common understanding.

 
 
 
Ulrike Düregger & Compagnie

Mit ihrer wechselnden freien Gruppe realisiert Ulrike Düregger als freie Theatermacherin laufend künstlerische Produktionen, auch im Namen von Total Plural e.V., der als zweiten wichtigen Satungszweck „Kunst & Kultur“ verfolgt. Inhalte, die in der Compagnie behandelt werden, kreisen um die Bereiche  Gewalt, Diversität, Frauen. Düregger realisierte bisher fünf eigenständige Produktionen, z.T. mit Unterstützung des Goethe-Instituts Algier und der Deutschen Botschaft in Algerien, des Österreichischen Kulturforums in Berlin u. a.

Gastauftritte führten sie zu internationalen Theaterfestivals u.a. nach Kurdistan-Irak, Jordanien, Algerien und in den Senegal. 2018/19 fand hier der für den Verein 1. internationale Kulturaustausch „SDG- Sénégal Deutschland Générateurs“ statt, den die Künstlerin zusammen mit ihrer Kollegin Nadine da Cruz Oliveira und den beiden senegalesischen Kollegen, Khalifa Fall und Bamba Fall, in die nördliche Region von nach Louga führte.

Sie arbeitete mit künstlerischen Kolleg*innen aus Guadaloupe/ Frankreich, Kurdistan-Irak, Algerien, USA, Italien, Syrien, Senegal, Nigeria, Griechenland u.v.w. Ländern.

In einem „Arts & Politics Dialogue“ verfolgt sie mit den Mitteln des modernen, interdisziplinären Sprechtheaters einen emphatischen, künstlerischen Zugang zu gesellschaftlichen Themen.

Ulrike Düregger ist Mitglied des LAFT, Landesverband freie darstellende Künste Berlin e.V. und engagierte sich in der DADA-AG, Diversitäts- und Anti-Diskriminierungs-AG des Verbands. Im Rahmen des Performing Arts Programm Berlin (PAP Berlin) des LAFT ist sie als freie Beraterin für Kulturelle Bildung tätig und war von 2013 bis 2019 ehrenamtliches Jury-Mitglied der Regionaljury Nord-Ost beim Programm des Bundesverband Freie Darstellende Künste, BFDK e.V., tanz+theater machen stark.

Unter „Ulrike Düregger & Band“ ist sie auch als Singer/Songwriter akitv.

http://www.ulrikedueregger.de

https://pap-berlin.de/

www.laft-berlin.de/

https://darstellende-kuenste.de/de/

https://soundcloud.com/user-411445993